Berliner Morgenpost: Bitteres Ende / ein Kommentar von Dominik Bath zur Signa-Insolvenz

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Berlin (ots)

Es kann nun alles wie ein Kartenhaus zusammenfallen, sollte die Insolvenzanmeldung der Dachgesellschaft der Signa-Gruppe das Ende für den österreichischen Immobilienkonzern bedeuten. Am Mittwoch hatte die Holding angekündigt, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu beantragen. Alle vorherigen Rettungsversuche sind offenbar ins Leere gelaufen. Wohl auch, weil das zig Beteiligungen und GmbHs umfassende Firmengeflecht, das Signa-Gründer René Benko über die Jahre aufgebaut hatte, undurchsichtig ist. Die Zeit, um darin aufzuräumen, hat offenbar nicht gereicht.

Benko wird mit der Insolvenz nicht nur sein Lebenswerk zerstören, sondern möglicherweise auch betroffene Städte um Jahre zurückwerfen. Denn der schillernde Investor war in den letzten Jahren sowohl in Berlin, als auch in Hamburg, Düsseldorf oder Frankfurt am Main ein gerngesehener Gast. Den Metropolen machte der Hauch von Zwielicht, der Benko stets umwehte, offenbar wenig aus. Bereitwillig überließen sie ihm und seinem Konzern Filetstücke in den Innenstadtlagen. Vielleicht war Benko nicht immer die beste Alternative, doch er schaffte es, zu überzeugen und die Deals abzuschließen.

Rückblickend kann man sagen: Mit den schicken Renderings von Bauprojekten à la Elbtower an der Hamburger Hafencity oder dem Karstadt-Gebäude am Hermannplatz in Berlin-Neukölln ließen sich die Stadtoberen blenden. Man unterließ es, genau hinzuschauen, schob Bedenken beiseite, setzte auf die Karte Benko.

Zu befürchten ist nun, dass die Entwicklungsprojekte, die eigentlich neue Leuchttürme werden sollten, Schaden nehmen werden. Für die Zentren und den angrenzenden Handel ist das gefährlich. Schon heute leiden stationäre Geschäfte unter der schlechteren Kauflaune der Menschen bei gleichzeitig boomendem Online-Handel. Signa wollte mit den Projekten die Städte aufwerten. Pomp als Argument, wieder shoppen zu gehen und als Belebung für die Citys. Nicht nur die Wette, dass dann der Wert der Signa-Immobilien steigt, scheint nun fraglich zu sein.

Aus dem Scheitern von Benko und Signa können auch Privatanleger ihre Schlüsse ziehen. Nicht immer ist alles so, wie es scheint. Das gilt für das eigene Umfeld genauso wie beim Investieren. Wer Aktien eines Unternehmens kauft, sollte sich nie auf andere verlassen, sich nicht von vermeintlichen ansehnlichen Firmenpräsentationen blenden lassen und nicht zu gierig werden.

„Breit gestreut, nie bereut“, lautet eine Weisheit von Börsenexperten. Das heißt: nicht alles auf eine Karte oder eine Branche setzen, sondern das eigene Geld breit anlegen. Darauf hätten auch einige deutsche Städte mit vielen Signa-Projekten besser hören sollen. Und auch der deutsche Staat, der in den letzten Jahren immer wieder Signas stets kriselnde Kaufhausgruppe Galeria unterstützte, muss sich fragen lassen, ob man Steuermittel immer richtig eingesetzt hat.

Die Insolvenz der Holding des Immobilienriesen und möglicherweise folgende Pleiten weiterer Töchter hat aber noch eine weitere Dimension. Signa war zuletzt nicht nur wegen fehlendem Vertrauen von Banken und Investoren in Schieflage geraten, sondern auch wegen der hohen Zinsen. Gehen nun bei den Signa-Baustellen dauerhaft die Lichter aus, birgt das Potenzial für eine Kettenreaktion. Die Baubranche, Projektentwickler, aber auch kleinere Firmen, die viel mit Signa Geschäfte gemacht haben, könnten in Schwierigkeiten kommen. Die Pleite, sie könnte so für viele ein bitteres Ende nehmen.

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