Brandgefährlich / Sascha Kircher zu Erdogans Offensive gegen die Kurden

Allgemeine Zeitung Mainz

Mainz (ots)

Noch im Sommer ließ sich Recep Tayyip Erdogan als Friedensstifter feiern. Im Ukraine-Krieg vermittelte der türkische Präsident an der Seite von UN-Generalsekretär António Guterres und half federführend beim Zustandekommen des Getreideabkommens, um schlimmste Hungerexzesse in Armutsländern zu verhindern. Langjährige Kritiker Erdogans rieben sich die Augen: der Autokrat vom Bosporus als Friedensstifter? Wenige Wochen später ist alles wie zuvor. Erdogan hat im Juni 2023 Präsidentschaftswahlen vor sich, und bei seinen Landsleuten kann er nicht als weltweit geachteter Staatsmann punkten. Die Türken sind zunehmend von ihrem selbstherrlichen Herrscher genervt, erst recht, je länger die gefühlte Dauer-Wirtschaftskrise anhält. Also setzt Erdogan wieder auf die Karte „Eskalation des Kurdenkonflikts“. Zynisch gesprochen, kam ihm das Bombenattentat in Istanbul samt blitzschneller „Aufklärung“ gerade zur rechten Zeit, um die Hardliner in der Türkei zufriedenzustellen. Als Vergeltungsmaßnahme flog das Regime in Ankara verheerende Luftangriffe auf kurdische Ziele in Syrien und Nordirak und erwägt nun auch eine Bodenoffensive gegen die verhassten Kurdenorganisationen PKK und YPG. Um sich als starker Mann zu inszenieren, nimmt Erdogan erneut zivile Opfer in Kauf. Diese Strategie ist brandgefährlich, denn wie die USA, welche die YPG als Bündnispartner betrachten, und Russland, das den syrischen Präsidenten Assad unterstützt, auf Erdogans neuesten blutigen Egotrip reagieren, steht auf einem anderen Blatt. Ohne Not stößt der türkische Präsident seine Nato-Partner wieder mal vor den Kopf und zündelt am Pulverfass im Nahen Osten.

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