Claus Kleber: Das ist nicht mehr mein Amerika

Neue Osnabrücker Zeitung

Osnabrück (ots)

Claus Kleber: Das ist nicht mehr mein Amerika

Langjähriger Moderator des „heute-journals“ und US-Korrespondent: Verfall der Demokratie in den USA bereitet mir schlaflose Nächte – 66-Jähriger sieht Skepsis gegenüber öffentlich-rechtlichen Sendern mit Unbehagen

Osnabrück. Claus Kleber (66), langjähriger Moderator des ZDF-„heute-journals“, sorgt sich ausgerechnet um das Land, das er seine „zweite Heimat“ nennt: „Wenn mir eine historische Entwicklung schlaflose Nächte bereitet, dann ist es der Verfall der Demokratie in den USA. Die sehe ich in einer seit dem Bürgerkrieg nicht mehr dagewesenen Gefahr“, sagte Kleber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ).

Durch den Bürgerkrieg habe das Land seine Einheit gerettet, aber diese Einheit gebe es im Moment genauso wenig wie 1860 zwischen den Unionisten und den Konföderierten, so Kleber weiter. „Das können wir uns als Westen im Moment nicht leisten, wenn wir es uns überhaupt jemals leisten können. Europa hat sich auf so eine Situation nicht vorbereite,t und das ist aus dem Stand auch nicht zu schaffen.“

„Das ist nicht mehr mein Amerika“, sagte der 66-Jährige, der vor seiner Zeit beim „heute-journal“ den Großteil seines Berufslebens in den USA verbracht hatte. Sein Amerika gebe es zwar auch noch, „aber es beherrscht nicht die Szene wie im Grunde seit all den Jahren nach dem Krieg“, sagte Kleber weiter. „Natürlich hat Amerika immer riesige Fehler gemacht, aber insgesamt ist das Land nach vorne gegangen. Das sehe ich im Moment nicht.“

Für die in Deutschland zunehmende Skepsis gegenüber den öffentlich-rechtlichen Sendern hat Kleber eine Hauptursache ausgemacht: „Wir, also die Öffentlich-Rechtlichen, haben immer noch nicht den Eindruck abgeschüttelt, dass wir parteipolitisch verseucht sind. Das hat zwar nachgelassen, aber auch wenn ich in gebildeten Kreisen frage, ob die Leute glauben, dass wir regelmäßig im Kontakt mit dem Kanzleramt sind, um beispielsweise mal die Russland-Berichterstattung zu diskutieren, dann glauben Geschäftsführer, Anwälte, Steuerberater, Ärzte und Facharbeiter, das sei tatsächlich so. Es ist natürlich nicht so.“

Das Gefühl „irgendwie gehören die doch zum Politikbetrieb“ seien die Öffentlich-Rechtlichen nie ganz losgeworden, fügte Kleber hinzu. „Deshalb ist es so wichtig, unsere Arbeit transparent zu gestalten, um immer wieder deutlich zu machen, dass wir unabhängig sind. Mich hat in 19 Jahren nie ein Politiker mit der Bitte angerufen, im ,heute-journal‘ mal etwas anders oder einfach so und so zu machen.“

Am Dienstag strahlt das ZDF Klebers neue Dokumentation „Utopia – Irre Visionen in Silicon Valley“ aus, die er erneut gemeinsam mit Angela Andersen realisiert hat. Darin geht es um die Bemühungen führender IT-Konzerne in den USA, menschliche Gehirne und Computer zu vernetzen. Den Film betrachtet Kleber als einen „Appell, damit Schluss zu machen, dass ein halbes Dutzend reicher mächtiger Männer – es sind tatsächlich alles Männer – den Kurs der Menschheit und der Menschlichkeit bestimmen, ohne dass irgendjemand sich inhaltlich damit auseinandersetzt und Leitplanken einbaut“. Es gehe allerdings nicht darum, die Digitalisierung zu verteufeln: „Denn die ist unsere Rettung.“ Die großen Probleme der Menschheit werde man ohne digitale Technik nicht lösen können.

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