Dritte Abfrage der Deutschen Umwelthilfe zeigt: Unternehmen schieben gravierendes …

Deutsche Umwelthilfe e.V.

Berlin (ots)

  • Großteil befragter Unternehmen schiebt Umstieg auf zertifiziertes, entwaldungsfreies Palmöl- und Soja-Futtermittel bis 2030 auf oder verfolgt Ziel gar nicht
  • Lediglich 4 von 67 Unternehmen setzen auf entwaldungsfreies Palmöl-Futtermittel
  • DUH fordert verstärkten Einsatz heimischer Futtermittel, kurzfristig Selbstverpflichtungen und eine starke EU-Verordnung gegen importierte Entwaldung, die auch Palmöl im Tierfutter umfasst

Zum dritten Mal forderte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) 67 Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette tierischer Erzeugnisse auf, ihre Ziele für den Umstieg auf nachhaltige, entwaldungsfreie Palmöl- und Soja-Futtermittel offenzulegen. Mit ernüchterndem Ergebnis: Nur 4 von 67 Unternehmen setzen dies seit 1. Januar 2022 bei Palmöl um. Ein Großteil bleibt komplett tatenlos oder schiebt den Umstieg auf nachhaltigere Palmöl- und Soja-Futtermittel bis 2025 oder gar 2030 auf. Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband appelliert an die Unternehmen, Naturzerstörung für Palmöl-Futtermittel schneller auszuschließen und fordert eine Verschärfung der geplanten EU-Verordnung gegen importierte Entwaldung. Diese darf keine Ausnahmen für die Futtermittel- und Chemiebranche eröffnen und muss dafür sorgen, dass alle Formen von palmölbasierten Stoffen – sei es in Futtermitteln, Kerzen oder Reinigungs- und Waschprodukten – nicht zur weiteren Regenwaldrodung beitragen.

Dazu Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Während Palmöl in deutschen Lebensmitteln Schätzungen zufolge bereits zu über 90 Prozent aus nachhaltig zertifiziertem Anbau stammt, ergreifen die wenigsten Unternehmen bei Nutztierfuttermitteln grundlegende Maßnahmen gegen Entwaldung. Wir fordern von der Bundesregierung und der EU, umgehend gesetzlich sicherzustellen, dass alle Produkte aus Palmöl sicher entwaldungsfrei sind. Bis zur gesetzlichen Regelung erwarten wir, dass Unternehmen schon heute in ihren Lieferketten alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen zur Rückverfolgung und dem Ausschluss von Naturzerstörung umsetzen.“

Bislang sieht der Vorschlag der EU-Kommission für ein Gesetz gegen Entwaldung nur für eine kleine Auswahl von Palmölprodukten Vorgaben zum Ausschluss von Entwaldung und zur vollständigen Rückverfolgung bis zur Plantage vor. Viele gehandelte Zwischen- und Endprodukte, die Palmöl enthalten, bleiben nach aktuellem Stand des Gesetzesentwurfs von der Regulierung unberührt. Palmöl aus neuen Waldrodungen könnte damit weit über 2025 hinaus in den deutschen Ladenregalen landen. Wenn sich die EU im Herbst auf eine finale Fassung des Gesetzes einigt, müssen ausnahmslos alle Palmöl-Produkte enthalten sein.

Dazu Karoline Kickler, Palmöl- Expertin der DUH: „Trotz der vielen Enttäuschungen gibt es auch Lichtblicke im diesjährigen Futtermittel-Radar: So hat der Wiesenhof-Konzern bekanntgegeben, bei Palmöl-Futter für in Deutschland produziertes Geflügel im Frühjahr 2022 auf zertifiziertes Palmöl umzusteigen.“

Die Schweinefleischproduzenten Tönnies und Westfleisch gaben an, sich im Austausch mit der Futtermittelindustrie für eine Branchenlösung zu nachhaltig zertifiziertem Palmöl und Soja ab 2023 einzusetzen. Die DUH begrüßt die Handlungsbereitschaft einzelner Akteure, kritisiert zugleich jedoch die seit Jahresanfang auftretenden Verzögerungen bei der Einigung und Veröffentlichung der konkreten Maßnahmen.

Hintergrund:

Zum dritten Mal hat die DUH 67 Unternehmen aus den Bereichen Futtermittelproduktion, Tierhaltung, Fleisch- und Milchwirtschaft bis hin zu Groß- und Einzelhandel und Systemgastronomie dazu aufgefordert, Selbstverpflichtungen zur Umstellung auf ausschließlich nachhaltig zertifiziertes Palmöl in der Nutztierfütterung zu veröffentlichen.

Die DUH fordert einen Wandel hin zum verstärkten Einsatz heimischer Futtermittel und weg von Übersee-Futtermittelimporten, die schon zur Zerstörung immenser Flächen an Regen- und Trockenwäldern beigetragen haben, darunter vor allem Tropenwald in Indonesien und Malaysia, den Hauptproduzenten von Palmöl mit rund 85 Prozent der Weltproduktion. Während Soja als zentraler Treibstoff der Massentierhaltung nur schrittweise durch zertifizierte Alternativen oder heimische produzierte Eiweiße ersetzt werden kann, eröffnen sich bei Palmöl zwei Sofortmaßnahmen: Der Ersatz durch heimische Öle, wie Raps- oder Sonnenblumenöl oder der Bezug zertifiziert nachhaltigen Palmöls von lange bestehenden Plantagen, auf denen so ein umwelt- und sozialverträglicher Anbau und eine faire Einbindung von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen gefördert werden könnte.

Links:

Pressekontakt:

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de

Peer Cyriacks, Leiter Naturschutz
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Quelle: Presseportal.de

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