Gewachsen / Kommentar von Tobias Goldbrunner zu Charles III.

Allgemeine Zeitung Mainz

Mainz (ots)

Die Zeilen der „neuen“ britischen Nationalhymne klingen noch ungewohnt: „God Save the King!“, heißt es künftig. Noch überwiegt die Trauer um die „ewige“ Monarchin, in Windeseile wird aber Charles III. im Fokus stehen. Und die Welt fragt sich: Ist der älteste Sohn bereit für diese gewaltige Aufgabe? Der 73-Jährige hatte sieben Jahrzehnte Zeit, sich darauf vorzubereiten. Vorlaut, ungeduldig, unbeherrscht – so war lange das Bild von Prinz Charles. Zuletzt aber ist er in die sich anbahnende Rolle hineingewachsen, hat enorm an Format gewonnen. Charles übernahm immer mehr Termine, fungierte quer durch Europa als Botschafter. Und gerade bei jungen Menschen im Königreich, von denen die Mehrheit die Monarchie mittlerweile für überflüssig hält, könnte er mit einem seiner Lieblingsthemen, der Nachhaltigkeit, punkten. Doch das allein wird nicht reichen. England steht schon durch den Brexit, die Energiekrise, die Fehltritte von Boris Johnson an einem Scheideweg. Queen Elizabeth stand für die alte Stärke des einstigen Imperiums, gab vielen Halt. Charles ist intelligent, kämpfte schon immer für die Ärmsten, setzt sich für Vielfalt ein, ist pflichtbewusst – doch er hat eben nicht den Charme seiner Mutter. Er muss Stabilität vermitteln, aber ebenso die Modernisierung des Königshauses in Angriff nehmen. Vorhänge zu, wenn es unbequem wird – das funktioniert nicht mehr. Charles möchte den aktiven Teil des Königshauses verkleinern, sich stärker als seine Mutter der Politik zuwenden. Er hat die Chance verdient, sich als würdiger König zu erweisen. Und einen großen Vorteil: Er sieht die Krone nicht als ewige Verpflichtung, kann auch nach einer Phase des Übergangs Platz für den jungen William machen.

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