Noch nicht überholt – Kommentar von Jessica Hanack zum CSD

BERLINER MORGENPOST

Berlin (ots)

Kurzform: In den aktuellen Zeiten, in denen wir von einer Krise in die nächste rutschen, droht anderes oft aus dem Blick zu geraten. Ohne Zweifel sind die Bekämpfung der – noch nicht überwundenen – Corona-Pandemie oder die Herausforderungen der Energie-Krise entscheidend für die nächsten Monate. Doch das Ziel einer Gesellschaft, in der alle die gleichen Rechte haben, bleibt ebenso bedeutsam. An diesem Sonnabend haben Hunderttausende in Berlin daran erinnert.

Der vollständige Kommentar: Ein Blick in die aktuellen Polizeimitteilungen genügt, um zu sehen, warum der Christopher Street Day (CSD) noch heute nötig ist: Die Behörde meldete am Sonnabend Farbschmierereien auf dem Denkmal für die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung, außerdem homophobe Parolen auf einem Gehweg in Tiergarten, die am Freitagabend entdeckt worden waren. Auch wenn die große Mehrheit sich gegen Gewalt und die Benachteiligung von lesbischen, schwulen, trans- oder intersexuellen Menschen wendet, sind Hass und Diskriminierung längst nicht aus der Gesellschaft verschwunden. Es ist daher wichtig, dass nach den Einschränkungen in den vergangenen Jahren dieses Mal wieder Hunderttausende Menschen beim CSD durch Berlin ziehen konnten.

Klar: Viele nutzen das Event, um zu lauter Musik ausgelassen zu tanzen und eine riesige Party mitten in der Stadt zu feiern. Und doch sagen nicht nur die Veranstalter, dass es dahinter klare Forderungen und eine politische Agenda gibt. Zahlreiche Teilnehmer bestätigen mit Flaggen und Botschaften auf Plakaten, dass es ihnen um mehr als die reine Party geht. „Alle lieben gleich“, heißt es da, „Liebe ist Liebe“ oder „Make love not war“ – in Anspielung auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Solidarität gilt nicht nur den sexuellen Minderheiten hier, sie gilt auch den Menschen in der Ukraine, das machen viele deutlich.

In den aktuellen Zeiten, in denen wir von einer Krise in die nächste rutschen, droht anderes oft aus dem Blick zu geraten. Ohne Zweifel sind die Bekämpfung der – noch nicht überwundenen – Corona-Pandemie oder die Herausforderungen der Energie-Krise entscheidend für die nächsten Monate. Doch das Ziel einer Gesellschaft, in der alle die gleichen Rechte haben, bleibt ebenso bedeutsam. An diesem Sonnabend haben Hunderttausende in Berlin daran erinnert.

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