RHI Studie: Deutsche Gesellschaft nicht gespalten / Rodenstock: „Gesellschaftlicher …

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München (ots)

Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland ist trotz Corona-Pandemie und Energiekrise groß, eine gespaltene Gesellschaft ist empirisch nicht belegbar. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Roman Herzog Instituts e. V. (RHI). Prof. Randolf Rodenstock, Vorstandsvorsitzender des RHI, erklärt dazu: „Knapp die Hälfte der Deutschen ist der Ansicht, dass unsere Gesellschaft gespalten ist. Dabei zeigt unsere Studie, dass es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und Wohlstand hierzulande weit besser bestellt ist als in vielen anderen EU-Staaten.“

Die Autoren der RHI-Studie „Gespaltene Gesellschaft? Hintergründe, Mythen und Fakten“ um den Soziologen Prof. Stefan Hradil und den Ökonomen Prof. Dominik Enste untersuchen gängige Mythen zu gesellschaftlicher Spaltung. Ein zentrales Ergebnis: Erst überzogene Idealvorstellungen sorgen dafür, dass die deutsche Gesellschaft als deutlich gespaltener wahrgenommen wird, als sie ist.

Die Studie untersucht etwaige Spaltungstendenzen anhand sozialer, kultureller, politischer und wirtschaftlicher Dimensionen im EU-weiten Vergleich. Dabei zeigt sich, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland größer und Tendenzen zu gesellschaftlicher Spaltung geringer sind als in vielen anderen europäischen Ländern. Während zum Beispiel rund jeder vierte EU-Bürger seinen Mitmenschen misstraut, tut dies in Deutschland nur jeder Fünfte. Auch das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Regierung ist in Deutschland im EU-Vergleich gering. Nur in Luxemburg und den skandinavischen Ländern sprechen die Bürger ihrer Regierung mehr Vertrauen aus.

Auch eine zunehmende ökonomische Spaltung der Gesellschaft droht nicht: Die Einkommensverteilung ist in Deutschland seit 2005 nahezu unverändert geblieben, die Einkommensungleichheit liegt unterhalb des europäischen Durchschnitts. Zwar hat sich die Ungleichheit in den Haushaltseinkommen durch die Corona-Krise kurzfristig erhöht, staatliche Hilfsmaßnahmen wie das Kurzarbeitergeld haben einer starken wirtschaftlichen Spaltung und existenzbedrohenden finanziellen Zuständen aber entgegengewirkt. „Die Jahre der Pandemie haben uns gelehrt, dass existenzielle Krisen eine Gesellschaft auch zusammenschweißen können. Gemessen an anderen Nationen – auch anderen Industrieländern – hat Deutschland ein sehr hohes Wohlstandsniveau. Dank der Sozialen Marktwirtschaft als Wirtschaftsordnung ist Deutschland von einer verfestigten Polarisierung weit entfernt“, so Rodenstock.

Soziokulturelle Spaltungstendenzen, die auf die Diskriminierung von Minderheiten zurückgehen, sind in Deutschland weniger ausgeprägt als in anderen EU-Ländern: Der Anteil der Bevölkerung, der sich beispielsweise aufgrund von Hautfarbe, Ethnie oder Religion diskriminiert fühlt, liegt in Deutschland mit 16 Prozent unterhalb des EU-weiten Durchschnitts. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind zwar ein in der Gesellschaft existentes Problem, sie sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten aber zurückgegangen.

„Die Idee der Sozialen Marktwirtschaft ist es, unterschiedliche Interessen in einer Gesellschaft miteinander in Einklang zu bringen. Zerrbilder vom vermeintlich ‚idealen‘ Zustand einer Gesellschaft halte ich für kontraproduktiv. Zu unserer modernen freiheitlichen und pluralistischen Gesellschaft gehört das gleichberechtigte Nebeneinander von Lebensentwürfen, von religiösen, kulturellen und politischen Anschauungen, auch von Unterschieden hinsichtlich der Vermögensverhältnisse. Eine heterogene Gesellschaft ist aber nicht zwangsläufig eine gespaltene. Sie ist vielmehr Ausdruck einer lebendigen Vielfalt und birgt die Chance auf offenen Diskurs, demokratische Meinungsbildung und innovative Dynamik„, so Rodenstock abschließend.

Das Roman Herzog Institut

Das Roman Herzog Institut setzt sich als Think Tank mit den Gegenständen Werte, Führung und Zukunft auseinander. Schwerpunkte im Jahr 2023 sind das Verhältnis von „Demokratie und Autokratie“ sowie „gute Führung“ auf strategischer Ebene. Dazu lädt das Institut Wissenschaftler aus verschiedensten Disziplinen nach München ein. Publiziert werden eigene Studien und Positionen. Organisiert werden wissenschaftliche Symposien und Streitgespräche. Im YouTube- und Podcast-Format geht das Institut mit bekannten Wissenschaftler*innen in die Tiefe der Themen und ihrer Forschung.

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